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Risiko ist gut, Kontrolle ist besser — Über den risikobasierten Ansatz und die FMEA

Ein Unternehmen, das viel riskiert, kann auch viel verlieren. Es sei denn, es befindet sich in der vorteilhaften Lage, Risiken zeitnah optimal einzuschätzen, ebenfalls vorausschauend auszuwerten, um im richtigen Moment, das dabei gewonnene Know-how punktgenau einsetzen zu können. Hohe Risikobereitschaft ist den Mutigen gegeben, Vernunftbegabte versuchen das „Vabanquespiel“ – alles auf eine Karte – vielleicht besser charmant zu umgehen. Ein kluges Unternehmen setzt neue Akzente bzw. bringt mutige, aber dennoch vernünftige Strategien mit ein, welche Risiken bereits im Vorfeld aufzeigen sowie den „Schlachtplan“ wesentlich überschaubarer machen und zusätzlich die Gewinnrate erhöhen.

Globalisierung, internationale Geschäftsbeziehungen. Der Wunsch nach Präzision, Sicherheit und Verbraucherzufriedenheit wächst und mit ihnen auch die Verantwortung für eine systematische Risikobetrachtung. Ausgiebig dargelegt in der QM-Norm ISO 9001-2015 sollte dem Betrachter allmählig klar sein, welch hohe Bedeutung das Risikomanagement inne hat. Um bestmögliche Erfolge feiern zu können, müssen die Weichen auf intensive Auseinandersetzung mit etwaigen Chancen und Risiken (vor-)eingestellt sein—nicht nur, weil die ISO-Revision9001 vom September 2015 es nun vorsieht, sondern gerade weil es an der Zeit ist, unternehmerische Ziele mit der Zielsetzung des Risikomanagements clever zu kombinieren.

Risikomanagement—Vom „Stiefmütterchen“ zum festen Bestandteil des QM-Systems

Ein Risiko oder auch mehrere Risiken (wie etwa Kosten und Termine, IT, Compliance-Vorgaben) sollten kontrollierbar bzw. kontrollierbarer sein. Richtung und Tiefe der erkannten Risiken, regulatorische Anforderungen sowie die Frage nach unterstützenden Regelwerken möchten möglichst zeitnah geklärt werden. Der Anspruch lautet: Das Unternehmen verpflichtet sich im Zuge der Sicherstellung hoher Qualität zu denken und zu handeln. Dies erfordert oft ein regelrecht detektivisches Gespür und natürlich auch einiges an Konzentration und Nachhaltigkeit. Nach Bestimmung der Unternehmensziele sollte ein „Check-up“ erfolgen, wobei das Hauptaugenmerk auf Risiken zu richten ist, welche sich aus einem angestrebten oder bereits laufenden Prozess entwickeln könnten. Manchmal sind keine eindeutigen Zeichen vorhanden, da manche prozessübergreifende Unternehmensziele sich nicht unbedingt in ein spezifisches Muster pressen lassen. Darunter fällt zum Beispiel auch die Optimierung des Unternehmensimages. Dies bedeutet: Ein Asset und ein Prozess verfolgen möglicherweise mehrere Ziele. Und jedes Ziel kann eventuell mit einem, aber auch mehreren Risiken behaftet sein. Zur perfekten Beurteilung eines Risikos oder auch mehrerer Risiken wird im weiteren Verlauf ein sogenanntes Risk-Assessment angesetzt und umgehend durchgeführt. Dies dient der jeweiligen Risiko-Abschätzung: Wie könnte oder wie wird sich zum Beispiel Risiko X auf Unternehmensziel Y auswirken und was können wir als innovatives Unternehmen im Vorfeld dagegen tun? Was folgt, ist eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung — ob und wann ein Schaden während eines Prozesses auftreten wird. Daran kann und darf sich das Unternehmen messen und weiter dabei für sich herausfinden, wie die einzelnen Risiken zu beurteilen bzw. zu beschreiben sind. Wo sonst viele Köche den mühsam angerührten Brei verderben, sind hier bewusst viele geistreiche Köpfe mit Expertise gefragt. Vorzugsweise gibt es einen „runden Tisch“, an dem Prozessverantwortliche, Fachleute und sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens Platz nehmen, um etwaige Risiken von allen möglichen Richtungen aus zu beleuchten und eine vorteilhafte Herangehensweise zu besprechen.

Mit Risiken richtig umgehen lernen — Richtig einschätzen, abwägen und durchstarten

Manche Risiken sind harmloser Natur und somit hinnehmbar. Andere wiederum können augenblicklich einen ganzen Betrieb lahmlegen. Solch einen fataler „Supergau“ gilt es möglichst zu vermeiden, darum könnte der Einsatz der Risikobewertung mithilfe der FMEA (Fehler-Möglichkeits-und-Einflussanalyse) einen wahren Gold-Schritt in die richtige Richtung bedeuten. Mit diesem zusätzlichen Plus dürfen Fehler bzw. Risiken noch konkreter und schneller verifiziert, auch analysiert, Schwachstellen eindeutig besser erkannt und Folgefehler souveräner vermieden werden. Mit erfolgreicher Einbindung der FMEA erfolgen Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung und Fehlervermeidung frühstmöglich. Mehrere Risiken können durch ein Ranking ermittelt und detailliert dargestellt werden. Typischerweise gestaltet sich die Risikobewertung per FMEA wie folgt:

• Feststellung der Fehler und deren korrekte Beschreibung

• Bewertung der Fehler mit entsprechenden Risikozahlen

• Ermittlung des Gesamtrisikos/der Gesamtrisiken (RPZ)

Die FMEA stellt „richtig ausgespielt“ eine wahre Bereicherung bei der Risikobewertung dar. Wohldosiert und konsequent angewandt, vom gesamten Unternehmen beherzigt, kann diese unterstützende Methode feinfühlig und dennoch intensiver denn je die angsteinflößende Fehlerquote auf vorausschauende Weise senken. Ganz ohne Rest-Risiko wird es wohl nie gehen. Aber dies nehmen wir doch augenzwinkernd gerne in Kauf, so lange die Kasse klingelt und der Rubel rollt. „Less risk — more fun“. Augen auf und bleiben Sie dran ;-)